Meine analogen Kameras und eine Digitale

Die digitale Imitation des Analogen

Die Entwicklung moderner Kameras

Die Anfänge der digitalen Fotografie
Fujifilm MX-2900 Zoom

Wie jeder weiß kam es im letzten Jahrzehnt zu einer Revolution in der Fotographie. Durch das Aufkommen von leistbaren Digitalkameras wurde ein neuer Foto-Hype ausgelöst, der überall auf den Straßen zu sehen ist und auch Veränderungen in unserer Kultur herbeigeführt hat.

Im Jahr 2000 kaufte sich meine damalige (und jetzige) Freundin eine Fujifilm MX-2900 Zoom, um ungefähr 10.000 Schilling. Mit einer Auflösung von 2.3 Megapixel setzte sie für die damalige Zeit Standards. Da Speicherplatz rar war wurde meist nicht in der vollen Auflösung fotografiert, was die Qualität zusätzlich minderte. Die Fotos waren winzig und meist unscharf. Von richtigen Fotografen wurden diese Kameras nur belächelt und die meisten konnten sich nicht vorstellen, dass die digitale Fotografie die Analoge je ersetzen könnte.

Ungefähr 10 Jahre später kaufte ich mir die Canon EOS 5D Mark II, die 21,1 Megapixel kommen ungefähr einer Verzehnfachung der Auflösung gleich. Zusätzlich werden Kamera intern Bildfehler korrigiert und durch die Möglichkeit Bilder im raw Format mit 14bit Farbtiefe abzuspeichern, eröffnen sich praktisch unbegrenzte Möglichkeiten in der Nachbearbeitung. Längst sind die meisten Fotografen auf die digitale Fotografie umgestiegen, nur sehr wenige wehren sich vehement. Neben dem Paradigmenwechsel im gehobenen Segment hat sich auch eine weitere gesellschaftliche Revolution vollzogen. Die digitalen Kameras haben Einzug in Mobiltelefone, Spielgeräte, Laptops sogar Autos gefunden. Kaum ein modernes elektronisches Accessoire kommt ohne kleine Digitalkamera aus. So hat heute fast jede Person ständig eine Kamera dabei und nicht nur das. Durch die Anbindung an soziale Netzwerke im Internet wie Facebook und Twitter, haben sie die Möglichkeit immer und überall Bilder der gesamten Welt zur Verfügung zu stellen. Fotografieren ist zum Allgemeinhobby mutiert oder überhaupt zu einer alltäglichen Tätigkeit, die in allen Lebenslagen nebenbei ausgeübt wird. Zusätzlich wurde es durch den rapiden Preisverfall von Speicher und dem Anstieg der Speicherkapazität möglich eine noch nie dagewesene Anzahl an Bildern zu schießen. 1.000 Bilder auf einer Speicherkarte sind keine Seltenheit mehr und kombiniert mit einer hohen Bildrate können in kürzester Zeit eine unüberschaubare und unanschaubare Menge an Bilder produziert werden. 3.000 Fotos von einem Kurztrip – alle irgendwie gleich – eine lange Zeitrafferaufnahme ohne persönliche Beteiligung.

iPhone Foto
iPhone Foto

Immitation der Imperfektion

Die Digitalisierung hat nicht nur Vorteile gebracht. Durch die Vermainstreamung der Fotografie und den immer intelligenteren Kameras, ist es keine Kunst mehr technisch schöne Bilder zu machen. Hohe Schärfe, kräftige Farben, alles Out of the Box und automatisch. Schnell wirken die Fotos übertrieben künstlich und generisch. Viele vermissten den speziellen Look verschiedener Negativ, Dia und Sofortbildfilme. So begannen Softwarefirmen die alten Filme zu vermessen und deren speziellen Look nachzubilden.

Lightromm Lomo Preset
Lightromm Lomo Preset

Einer der ersten Firmen war DXO Image Science, die die Struktur verschiedener Filme vermaßen und daraus ein Programm entwickelten, mit dem digitale Fotos mit einem analogen Touch versehen werden konnten.

Durch das iPhone und die Möglichkeit Apps herunterzuladen, wurde es möglich die Filter direkt auf der Kamera zu installieren. Abbildungsfehler der Linse, die zuerst mühsam herausgerechnet wurden, werden anschließend wieder verstärkt hinzugefügt, wie zum Beispiel Vignettierung[1]. Zusätzlich werden die Farben verfälscht und Bildrauschen hinzugefügt um den Eindruck entstehen zu lassen, es handle sich um ein altes Polaroid.

Auch im aktuellen Standart in Sache Fotobearbeitungssoftware, Adobe Lightroom wurde diesem Trend Tribut gezollt. Durch das Hinzufügen von Bildrauschen, Vignettierung und Farbverschiebungen, die anschließend als Profil gespeichert werden können, ist es möglich einer großen Menge an Fotos mit einem Mouse Klick ein neues Aussehen zu verpassen. Dadurch hat der Neo-Digital-Künstler die Möglichkeit durch das Downloaden eines neuen Profils sich von der generischen Masse zu Differenzieren. Individualismus auf Knopfdruck.

Die Renaissance der Analogfotografie

Nikon FM-3
Nikon FM-3

Wenn man es genau nimmt wurde der Begriff der Analogfotografie erst durch die Digitalfotografie erschaffen, denn vorher gab es nur eine Fotografie. Die Analogfotografie avancierte bald zu einem Hobby für alte Menschen und Innovationsverweigerer. Doch in letzter Zeit gaben sich auch viele junge Fotografen nicht damit zufrieden Profile auf digitale Bilder anzuwenden, um so ihrer Kunst Ausdruck zu verleihen. Sie sehnten sich nach wirklichen Filmen und die Konzentration auf den Vorgang des Fotografierens. Der Inhalt ist wichtig und nicht die Perfektion und Masse.

Ein großer Vorteil der sich durch den Umstieg der Masse auf die digitale Fotografie ergab waren die immer billiger werdenden Analogkameras. Profi-Spiegelreflexmakeras wurden um einen Bruchteil ihres vorherigen Wertes gehandelt. Nicht nur alte Analogkameras wurden immer beliebter, es entwickelten sich auch wieder neue Kameras und alte Modelle wurden wieder hergestellt. Beste Beispiele hierfür sind die Lomographie Kameras und klassische Polaroid Kameras.

Lomographie – Die Wiederentdeckung des Spaßes

Eigentlich war die erste Lomo Kamera ein russischer Nachbau einer japanischen Kamera, der den Zweck hatte eine russische Spionage Kamera herzustellen. Später wurde das Ziel verfolgte jedem Russen eine eigene Kamera zu ermöglichen, um damit die Herrlichkeit des russischen Reiches zu dokumentieren. Hauptmerkmal dieser Kamera, der Lomo LC-A, war ihre schlechte Bildqualität.

Erst Anfang der 1990er wurde in Wien die Lomografie als Kunstform entwickelt. Ziel war es nicht technisch perfekte Bilder zu machen, sondern Spaß zu haben, kreativ zu sein und neue Blickwinkel auf die Welt zu erhalten.  Zuerst fristeten die Lomografen ein Randgruppen-Dasein, doch in letzter Zeit wird die Lomografie immer beliebter. Neue Modelle kommen auf den Markt, mit immer verrückterer Ausstattung. So gibt es Fischaugen Kameras, Kameras mit 4 Objektiven, Kameras mit 9 Objektiven und sogar eine Vollformat Systemkamera. Was allen Kameras gemein ist: viel Plastik (außer der Holga Pinhole aus Karton zum Selberbasteln) und ein verhältnismäßig billiger Preis.

Lomo Fisheye
Lomo Fisheye

Polaroid – Ich will analoge Fotos aber sofort!

Original Polaroid 600er
Original Polaroid 600er

Die zweite Ausnahmeerscheinung in der Analog-Fotografie sind die Sofortbildfilme oder Polaroidfilme. Die Polaroid Kameras erfreuten sich schon lange großer Beliebtheit, da die Ergebnisse innerhalb kürzester Zeit zu sehen waren. Das kam sowohl gewöhnlichen, ungeduldigen Schnappschussfotografen entgegen, begeisterte jedoch auch professionelle Fotografen, da das Ergebnis einer Aufnahme sofort bewertet werden konnte. Beide Anwendungsgebiete wurden durch das Aufkommen der Digitalfotografie nutzlos, was 2008 zur Einstellung der Polaroid Filme führte.

Im Gegensatz zur normalen 35mm Fotografie hatten Anhänger nach der Einstellung der Produktion der Filme ein großes Problem, Filme halten nur einen kurzen Zeitraum und es gab keine Drittanbieter. So wurde das Impossible Project gegründet mit dem Ziel die Polaroid Fotografie zu retten. Durch den Kauf der letzten funktionstüchtigen Fabrik für Polaroidfilm wurde der Grundstein zur Fortführung gelegt.

Derzeit werden zwei Filmtypen angeboten der Silver Shade, ein Schwarz-Weiß Film und der Color Shade, ein Farbfilm. Der Kauf der Fabrik und die Neu-Entwicklung der Filme hat jedoch ihren Preis. Im Gegensatz zur Lomografie ist die Fotografie mit Polaroid Fotos zu einem Luxus geworden. Ein Päckchen Polaroid mit 8 Bildern kostet ohne Versandt 20€. Das sind 2,50€ pro Foto, mit Versand fast 3€. Nur um den Vergleich zu sehen: Derzeit gibt es ein Angebot von “snapfish”, einem online Fotolabor, bei dem die Ausarbeitung von 100 Digitalfotos 1€ kostet.

Nicht nur das Impossible Project bemüht sich um eine Wiederbelebung der Polaroid Filme, auch Fujifilm entwickelte einen neuen Film. Anders als das klassische Polaroid Format,  ca. 7,8cm × 7,9cm, wurde mit dem Instax mini ein neues kleines Format geschaffen, das eine Bildgröße von 46 x 62 mm besitzt. Zusammen mit dem Film wurden auch einige neue Sofortbildkameras von Fujifilm angeboten, die eher eine junge Zielgruppe ansprechen sollten. Zumindest in Europa konnten sich die neuen Formate nicht durchsetzen, auch wenn sie hin und wieder in den Auslagen von Fotogeschäften zu sehen sind.

Die Instax mini bieten für mich eine faszinierende Möglichkeit. Zur Lomo Vollformatkamera Diana gibt es ein Sofortbildrückteil, welches mit Instax mini gefüttert werden kann. Somit ist es möglich mit einer Lomo Kamera Sofortbilder zu produzieren, eine wunderbare Verheiratung zweier Randgruppenerscheinungen.

Instax mini mit Lomo Diana
Instax mini mit Lomo Diana

 

 

Diskriminierung der Analog Fotografie

durch die Masse

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass die Welt für den analogen Fotografen eine Schwierige geworden ist. Auch wenn Lomo Kameras mittlerweile in Museum Shops angeboten werden und alles übers Internet bestellt werden kann, wird es immer schwieriger die Fotos ausarbeiten zu lassen. Die Filme werden mittlerweile nur mehr in großen Speziallabors entwickelt, die sich in Salzburg oder im befreundeten Ausland befinden.

Bei speziellern Filmen kann man schnell viel Geld loswerden. Als ich einmal versehentlich einen “echten” schwarz-weiß Film zum entwickeln gab, ein Doppelbild und eine CD bestellte, wollte der BIPA meines Misstrauens 80€ für den Auftrag. Dabei waren die Bildqualität schrecklich, ein paar Bilder kaputt und auf glänzendem Papier obwohl ich mattes bestellt habe. [2]

Ein weiteres Problem kann sich durch die automatische Optimierung, die in Laboren durchgeführt wird, ergeben und die in einigen Fällen auch auf Wunsch nicht ausgeschaltet werden kann. Bei einigen monochromen Filmen, wie dem Lomo Redscale Film, werden die Farben durch die automatische Kontrastanhebung völlig übersättigt.

Lomography Redscale Film
Lomography Redscale Film

Die digitale Fotografie entwickelt sich rasant weiter. Immer billiger werdende Kameras machen Fotos, die technisch immer besser werden. Trotzdem wird der analoge Film weiter existieren, in den Kameras der Liebhaber, in speziellen Labors und virtuell als Filter für digitale Bilder.

Anmerkungen:

[1] Als Vignettierung wird die Randabdunklung zu den Bildrändern hin bezeichnet. Bei starker Vignettierung sind die Ecken der Bilder bedeutend dunkler als die Bildmitte.

[2] Farbfilme werden mit der C-41 Methode entwickelt. Es gibt chromogenen schwarz-weiß Filme zu kaufen, die zwar keine farbigen Ergebnisse liefern, jedoch auch mit der C-41 Methode entwickelt werden können. “Richtige” schwarz-weiß Filme werden mit einer anderen Methode entwickelt, die heutzutage natürlich noch seltener ist.

Links:

http://www.lomography.com/

http://www.the-impossible-project.com/

http://www.fujifilm.com/products/film_camera/instant/

 

7 thoughts on “Die digitale Imitation des Analogen”

  1. Wunderbarer Text, der wieder zum Analogfotografieren motiviert. Die SLR liegt irgendwo bei den Eltern rum – Zeit zum reaktivieren. Wenn man bloß so “viel” Zeit wie früher hätte…

  2. analgorevival klingt gut… hätt ich noch ne analoge, wär ich dabei 🙂 vielleicht ergattere ich irgendwo auf nem flohmarkt ja noch eine.

  3. Späte Antwort, aber doch 😉 hab mir damals noch einen Canon Eos 300v gekauft. Ist jetzt auch nicht gerade kultig, habe meine ersten Japanreisen damit bestritten und mir gefallen die Fotos nach wie vor sehr gut.

  4. Besser spät als nie 😉
    Ich habe auf dieser China Reise analog fotografiert und gerade 170€ für Ausarbeitung gezahlt… Analog = Luxus
    Bin schon sehr auf die Ergebnisse gespannt.
    Es werden Dias in der Größe 12cm x 6 cm 🙂

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